3.12.09: Provisorium an Sechtemer Bahnhof wird 50
Aktualisiert (Freitag, den 11. Dezember 2009 um 12:55 Uhr)
Quelle: General-Anzeiger, Bonn
Foto: General-Anzeiger
Behelfsbrücke wird im kommenden Jahr durch die Unterführung ersetzt
Bornheim-Sechtem. Ein Provisorium, so ist es in einschlägigen Lexika nachzulesen, bezeichnet eine Sache, die als Übergangslösung eingerichtet wird. Von einem Providurium hingegen spricht der Volksmund scherzhaft, wenn aus dem Provisorium eine Dauereinrichtung wird. Vielen Sechtemern mag die klobige Behelfsbrücke am Bahnhof als ein solches Providurium erscheinen.
Schließlich müssen die Reisenden diese Brücke seit 50 Jahren übersteigen, um von Bahnsteig eins auf die Gleise zwei und drei zu gelangen. An dieses ungewöhnliche "Jubiläum" erinnerte der Sechtemer CDU-Ortsverband und lud neben der Landtagsabgeordneten Ilka von Boeselager auch Unionspolitiker aus der Stadt und vom Kreis zu einem Ortstermin an den Sechtemer Bahnhof ein.
Anschließend unterhielten sich die Teilnehmer noch in der angrenzenden Gaststätte "Nachtzug" über das in die Jahre gekommene Provisorium. Im kommenden Jahr soll die Unterführung, an der zurzeit fleißig gebaut wird, die Brücke überflüssig machen. Horst Braun-Schoder, Mitglied des CDU-Vorstands und von 1992 bis 2004 Ortsvorsteher, ließ mit dem Dorfchronisten Heinz Vorzepf die Geschichte der Brücke Revue passieren.
Zunächst stand eine alte Frage im Raum. Wie alt ist die Brücke nun wirklich? So kursierte bis vor kurzem gar noch die Zahl 30" durch die Medien. Während Braun-Schoder das am Brückenpfeiler angebrachte Datum "1. Dezember 1959" als Termin der Elektrifizierung und als "Geburtsjahr" annimmt, weist Vorzepf, belegt durch zahlreiche Quellen, im dritten Band seiner Dorfchronik darauf hin, dass die Brücke bereits 1958 errichtet wurde.
Ob 50 oder 51 Jahre, darüber wollte man nicht streiten. Einig waren sich alle: Für ein Provisorium sind fünf Dekaden auf jeden Fall zu lang. Jahrzehntelang setzte sich bereits Heinrich Weiler, der von 1975 bis 1992 als Ortsvorsteher aktiv war, für die Abschaffung des leidigen Konstrukts ein. Jetzt sieht der 85-Jährige mit Freuden dem Jahr 2010 entgegen, dann, so Weiler, wird die "gehobene Beamtenlaufbahn" endlich verschwunden sein.
In seinem Haus stapeln sich kiloweise Aktenordner mit Schriftwechseln an die Bahn und die Behörden. "Ich habe sehr viel Arbeit investiert", betonte Weiler, "ich hätte damals nicht gedacht, dass so viel Zeit vergehen wird, bis die Brücke endlich abgebaut wird." Auch sein Nachfolger Braun-Schoder setzte sich vehement für den Bau ein.
An die Anfänge der Brücke erinnert sich Heinz Vorzepf noch sehr gut. Als damals 17-Jähriger trat er 1958 seine erste Stelle in Brühl an. Der Weg zum Zug führte über die Stahlbrücke. Damals sei die Brücke für viele ein Fortschritt gewesen, so der Heimatforscher, schließlich war nun das riskante Unterfangen, die Gleise zu überqueren, passé.
Im August 1953 kam es sogar zu einem tödlichen Unfall, als die damals 44-jährige Katharina Stemmler von einem verspäteten Triebwarenzug aus Richtung Köln erfasst wurde. Die Konstruktion, die zuvor am Bahnhof in Horrem stand, wurde vom 17. November bis 10. Dezember 1958 in Sechtem errichtet.
Ilka von Boeselager, die auch schon so manches Gespräch geführt und manchen Brief für den Bau der Unterführung geschrieben hatte, bezeichnete den Sechtemer Bahnhof als "besonderes Geschenk für die Bewohner des Ortes und die Pendler der Umgebung" und bedauerte zugleich, dass es in ihrem Wohnort Heimerzheim keinen Bahnanschluss gebe.
Für die Landtagsabgeordnete sei jedoch nicht nachvollziehbar, dass sich der Prozess derart lange hingezogen habe. Nach dem jetzigen Stand soll der Stahlkoloss im April/Mai 2010 abgebaut werden, dann ist der sich derzeit im Bau befindliche Tunnel samt Zuwegung fertig, so dass die Reisenden unterirdisch die Gleise wechseln können. Die Anhebung der Bahnsteige ist für Oktober 2010 geplant, so CDU-Ratsmitglied Uwe Kuhnert.






